Konkrete Fälle
Das AMP dokumentiert und begleitet Einzelfälle von Verschwindenlassen, politischer Morde und Kriminalisierungen von Menschenrechtsverteidiger:innen und Journalist:innen, die die Muster von strukturellen Menschenrechtsverletzungen verdeutlichen.
Eine aktuelle Liste Fälle politischer Morde an Menschenrechtsverteidiger:innen und Journalist:innen erscheint in den AMP-Menschenrechtsberichten von 2014, 2017, 2019, 2022, 2024 und 2026 für die jeweiligen Monitoringzeiträume.
Verschwindenlassen
Verschwindenlassen bedeutet, dass staatliche Stellen an der Entführung, Verhaftung und Verschleierung des Aufenthaltsortes eines Opfers beteiligt sind. Das gewaltsame oder erzwungene Verschwindenlassen von Menschenrechtsverteidiger:innen ist ein gängiges Mittel der Unterdrückung der Zivilgesellschaft und wird häufig von autokratischen Regierungen wie der des Ex-Präsidenten Rodrigo Duterte eingesetzt. In einigen Fällen tauchen die verschwundenen Personen nach einiger Zeit tot wieder auf.
Fälle von gewaltsamem Verschwindenlassen sind schwer zu dokumentieren, da sich die Angehörigen aus Angst vor Vergeltung durch die Täter:innen oft nicht trauen, darüber zu sprechen. Die meisten Fälle bleiben ungelöst und die Täter:innen werden kaum vor Gericht gestellt.
Die Philippinen haben die UN-Konvention gegen das Verschwindenlassen, welche diese Praktik als Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet, bis dato nicht ratifiziert.
Politische Morde
Während der Amtszeit von Präsident Rodrigo Duterte (2016-2022) beobachtete das AMP mit 298 Fällen einen deutlichen Anstieg der Tötungen und außergerichtlichen Hinrichtungen von Menschenrechtsverteidiger:innen und Journalist:innen.
Seit dem Amtsantritt von Präsident Ferdinand Marcos Jr. im Jahr 2022 zählte das AMP 27 Tötungen von Menschenrechtsverteidiger:innen und Journalist:innen (Stand: 19. August 2026). Ein deutlicher Rückgang der Tötungen ist dadurch erkennbar, sogar im Vergleich zur Regierung unter Präsident Benigno Aquino III. (2010-2016).
Rechenschaftspflicht hat es für diese Tötungen bisher jedoch kaum gegeben. Sie werden nur selten strafrechtlich untersucht und die Täter:innen wie auch die Drahtzieher der Tötungen bleiben meist unbekannt.
Das Klima der Straflosigkeit und die Tötungen von Menschenrechtsverteidiger:innen wurden insbesondere durch die repressive Menschenrechtspolitik von Ex-Präsident Duterte angeheizt.
Die derzeitige Regierung von Präsident Ferdinand Marcos Jr. hat diese Politik fortgesetzt.
Kriminalisierung
Kriminalisierungen stellen konstruierte Anklagen dar, bei denen das Opfer mithilfe gefälschter Beweise eines Verbrechens beschuldigt wird, das es nicht begangen hat. Diese Praxis wird häufig von staatlichen Sicherheitskräften angewendet, um Menschenrechtsverteidiger:innen zu diffamieren und sie für die Dauer des Prozesses in Haft zu halten.
Oft geht konstruierten Anklagen eine Schmäh- und Einschüchterungskampagne voraus. Insbesondere beim Vorwurf des illegalen Besitzes von Schusswaffen und Sprengstoff kann eine Kaution nur in Ausnahmefällen gewährt werden.
Seit 2024 beobachtet das AMP zudem vermehrt Anklagen gegen Menschenrechtsverteidiger:innen und ihren Organisationen wegen angeblicher Terrorismusfinanzierung.