Der ehemalige philippinische Präsident Rodrigo Duterte und seine Tochter, Vizepräsidentin Sara Duterte, müssen sich am 22. April 2026 jeweils separaten Anhörungen stellen.
Rodrigo Duterte soll vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag erscheinen, hat jedoch beantragt, der Anhörung fernzubleiben, was im Einklang mit seiner Weigerung steht, sich auf das Gerichtsverfahren einzulassen. An diesem Tag werden die Richter:innen des IStGHs über eine Berufungsschrift entscheiden, die von Dutertes Anwälten am 14. November 2025 eingereicht wurde.
Die Berufung richtet sich gegen eine wichtige Entscheidung der IStGH-Vorverfahrenskammer I vom 23. Oktober 2025, mit der die Zuständigkeit des Gerichts für seinen Fall bestätigt wurde. Seine Anwälte haben das Gericht zudem aufgefordert, alle Verfahren einzustellen und ihn unverzüglich und bedingungslos freizulassen.
Duterte wird wegen mutmaßlichen Mord und versuchten Mord, die er zwischen dem 1. November 2011 und dem 16. März 2019 begangen haben soll, in drei Fällen der Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Die mutmaßlichen Straftaten stehen im Zusammenhang mit seinem sogenannten „Krieg gegen die Drogen“, den er zunächst als Bürgermeister von Davao City und später als Präsident der Philippinen führte.
Duterte befindet sich seit März 2025 in Haft des IStGH.
Sollten die Richter:innen die Zuständigkeit des Gerichts bestätigen, wird die Vorverfahrenskammer voraussichtlich bis 28. April 2026 entscheiden, ob die Anklagepunkte in ein volles Verfahren münden, das noch in diesem Jahr beginnen könnte.
Die Meinungen der Menschen in den Philippinen zu diesem Thema gehen weit auseinander.
Laut einer im März 2026 durchgeführten Umfrage hielten es fast 60 Prozent der Befragten für unerlässlich, dass der ehemalige Präsident sich vor dem IStGH verantworten muss, während etwa ein Viertel dem widersprach. Mehr als die Hälfte befürwortete die Festnahme seiner mutmaßlichen Mittäter:innen, doch das Vertrauen in den IStGH ist nach wie vor gering. Nur 35 Prozent hielten das Gericht für fair, und 46 Prozent sprachen sich gegen einen Wiedereintritt der Philippinen in den IStGH aus.
Während das Verfahren gegen ihren Vater in Den Haag weiterläuft, steht Vizepräsidentin Sara Duterte am 22. April 2026 vor der dritten öffentlichen Anhörung zum Amtsenthebungsverfahren gegen sie vor dem Justizausschuss des Repräsentant:innenhauses in Quezon City.
Der Ausschuss plant eine vierte Anhörung für den 29. April 2026.
Sara Duterte wird vorgeworfen, vertrauliche Gelder in Höhe von insgesamt 612,5 Millionen Pesos missbraucht zu haben – Vorwürfe, die sie zurückweist.
Ramil Madriaga, der behauptete, als Sara Dutertes „Geldbote“ gedient zu haben, sagte am 14. April 2026 vor dem Ausschuss des Repräsentantenhauses aus. Er gab an, auf ihre Anweisung hin große Summen Bargeld übergeben zu haben, darunter 125 Millionen Pesos innerhalb von weniger als 24 Stunden. Er warf Duterte zudem vor, Wahlkampfgelder aus illegalen Offshore-Glücksspiel- und Drogenhandelsgeschäften beschafft zu haben.
Madriaga behauptete zudem, der ehemalige Präsident Duterte habe geplant, Präsident Ferdinand Marcos Jr. zu ermorden oder einen Staatsstreich gegen ihn zu inszenieren.
Sara Duterte blieb den Anhörungen im Amtsenthebungsverfahren fern, und ihr Anwalt vertritt die Auffassung, dass sie rechtlich nicht verpflichtet sei, persönlich zu erscheinen. Sie hat zudem Schritte unternommen, um das Verfahren vollständig zu stoppen, und beim Obersten Gerichtshof einen 58-seitigen Antrag auf eine einstweilige Verfügung (Temporary Restraining Order/TRO) sowie eine vorläufige Unterlassungsverfügung gestellt. Eine einstweilige Verfügung wurde nicht erlassen, und der Ausschuss des Repräsentant:innenhauses hat das Verfahren fortgesetzt.
Wie ihr Vater weigert sich Sara Duterte, die Rechtmäßigkeit des Verfahrens anzuerkennen, und bezeichnet die Anhörungen im Repräsentant:innenhaus als verfassungswidrig, da nur der Senat die Befugnis habe, ein Amtsenthebungsverfahren durchzuführen.
Sollte der Bericht des Justizausschusses die Amtsenthebung befürworten, wird die Angelegenheit zur vollständigen Verhandlung an den Senat weitergeleitet, sofern im Plenum des Repräsentant:innenhauses eine Dreidrittelmehrheit dafür zustimmt.
Trotz des zunehmenden rechtlichen Drucks bleibt Sara Duterte eine der vertrauenswürdigsten Amtsträger:innen des Landes, auch wenn jüngste Umfragen zeigen, dass ihre Zustimmungswerte sinken, während die von Präsident Marcos Jr. weiter steigen.
