Mariza Hamoy sprach am 27. August 2026 während der zweiten Anhörung der philippinischen Wahrheitskommission über die Ermordung ihres 17-jährigen Sohnes Darwin.
Die Wahrheitskommission ist eine autonome Initiative unter der Leitung von Vertreter:innen der Zivilgesellschaft, die gegründet wurde, um Vorfälle von drogenbezogenen Tötungen und Übergriffen zu untersuchen und zu dokumentieren, die während des sogenannten „Kriegs gegen die Drogen“ des ehemaligen Präsidenten Rodrigo Duterte stattfanden. Sie bietet Opfern und Hinterbliebenen einen sicheren Raum, um ihre Geschichten zu erzählen, und schlägt Wege vor, um Gerechtigkeit, institutionellen Wandel und Heilung zu erreichen.
In einer fast dreistündigen Aussage schilderte Mariza das Leid ihrer Familie.
Ein Team aus 16 Polizeibeamten tötete Darwin und mehrere andere Personen bei einer von der Polizei als Drogenrazzia bezeichneten Aktion am 15. August 2016 in Payatas, Quezon City. „Es wurden keine Fragen gestellt; die Polizeibeamten haben einfach auf ihn und die anderen geschossen,“ sagte sie.
Mariza betonte, dass Darwin nichts mit Drogen zu tun hatte. Erst nach acht Tagen, nachdem sie unterschiedliche Krankenhäuser abgesucht hatte, fand sie seine Leiche in einem Bestattungsinstitut in Quezon City. Sie musste 50.000 philippinische Pesos für die Freigabe seiner Leiche bezahlen.
Mariza erinnerte sich daran, dass ihr der Zugang zu den Polizeiakten verwehrt wurde, und an die rechtlichen Rückschläge, mit denen sie bei ihrem Streben nach Gerechtigkeit konfrontiert war. Sie sagte, sie habe zwei Anzeigen erstattet, die beide schließlich abgewiesen wurden. Mariza erfuhr erst in diesem Jahr, dass die Anklagen abgewiesen worden waren.
Die Behörden behaupteten, die Getöteten hätten sich auf eine Schießerei mit der Polizei eingelassen (sogenanntes „nanlaban“, was „sich wehren“ bedeutet), eine Behauptung, die von den Angehörigen der Opfer bestritten wird. Strafanzeigen gegen Polizist:innen, die Berichten zufolge an der Tötung von Darwin beteiligt waren, wurden abgewiesen. Auch die verwaltungsrechtlichen Vorwürfe gegen ihren Dienststellenleiter in Payatas wurden fallen gelassen.
Der ehemalige Exekutivsekretär Salvador Medialdea erklärte, die Einstellung bedeute, dass es „keine Beweise gebe, die die Anschuldigung stützen, dass die Polizisten bei der Razzia übermäßige Gewalt angewendet hätten“. Er verteidigte den Polizeichef und sagte, es seien keine stichhaltigen Beweise vorgelegt worden, um den Vorwurf zu untermauern, er sei an der Tötung von Darwin und anderen Drogenverdächtigen beteiligt gewesen.
Menschenrechtsaktivist:innen kritisierten die Entscheidung und argumentierten, sie füge den Familien der Opfer weiteren Schaden zu, schütze die Täter und untergrabe den Grundsatz der Gleichheit vor dem Gesetz.
Panelos Kritik der „Propaganda“
Während viele die Wahrheitskommission als einen Schritt in Richtung Rechenschaftspflicht betrachten, werfen andere ihr Voreingenommenheit und politische Motive vor. Zu ihren lautstärksten Kritikern zählt Salvador Panelo, ehemaliger Chef-Rechtsberater von Präsident Rodrigo Duterte.
Panelo wertete die Organisation als „einseitiges Propagandainstrument“ ab und argumentiert, dass Vorwürfe wegen außergerichtlicher Hinrichtungen den Staatsanwälten vorgelegt werden sollten.
In einem kürzlich geführten Fernsehinterview äußerte er die Vermutung, dass die Kommission lediglich dazu diene, den Ruf von Duterte und seinen politischen Verbündeten, darunter Vizepräsidentin Sara Duterte, zu schädigen.
Die Leiter:innen der Kommission haben solche Vorwürfe entschieden zurückgewiesen.
Die Gerichtsmedizinerin Dr. Raquel Fortun merkte an, dass Familien wie die Hamoys „auf jedem Schritt des Weges den Kürzeren gezogen haben“ und häufig feststellen mussten, dass die Behörden, die die Morde untersuchten, dieselben waren, die in diese verwickelt waren.
„Denken Sie daran, dass diese Familien keine Mittel haben, nur begrenzt über Kontakte verfügen und kein Geld besitzen. Deshalb ärgert es mich, wenn Leute sagen: ‚Reichen Sie doch einfach eine Anzeige ein.‘ Wissen Sie, wie schwer das ist, besonders wenn man ein Niemand und ein Opfer ist?“, sagte sie.
Fortun verurteilte die unzureichenden polizeilichen Verfahren, den eingeschränkten Zugang zu Informationen und die Mitschuld einiger Ärzte bei der Fälschung von Todesbescheinigungen.
Der Vorsitzende der Wahrheitskommission, Raul Pangalangan, stellte klar, dass seine Organisation keine staatsanwaltschaftlichen Befugnisse habe, aber offen für alle Sichtweisen sei, einschließlich derer von Polizeibeamt:innen.
Die Philippinische Nationalpolizei (Phillippine National Police/PNP) reagierte mit zurückhaltender Unterstützung und erklärte, sie „begrüße jede unabhängige Initiative, die darauf abzielt, Klarheit und Heilung für unsere Nation zu schaffen“.
PNP-Chef General Jose Melencio Nartatez Jr. erklärte, die Polizei werde im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften mit der Kommission zusammenarbeiten, und hob die jüngsten Reformen hervor, darunter den Einsatz von Körperkameras und eine strengere Aufsicht über die Drogenbekämpfungseinheiten.
Die Wahrheitskommission plant, regelmäßige Sitzungen abzuhalten und alle sechs Monate Ergebnisse und Empfehlungen zu veröffentlichen.
Foto © Raffy Lerma
