Die Journalistin Frenchie Mae Cumpio wurde am 22. Januar 2026 zusammen mit ihrer Mitangeklagten Marielle Domequil, einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin einer kirchlichen Organisation, wegen „Terrorismusfinanzierung” verurteilt. Das Urteil könnte für beide Frauen eine Haftstrafe von 12 bis 18 Jahren und Geldstrafen von bis zu 500.000 Pesos bedeuten.
Die beiden Frauen, die 2020 aufgrund von laut Menschenrechtsaktivist:innen erfundenen Anschuldigungen verhaftet worden waren, wurden auch von separaten Vorwürfen im Zusammenhang mit illegalem Besitz von Schusswaffen und Sprengstoff freigesprochen.
Cumpio arbeitete vor ihrer Verhaftung als Lokaljournalistin und Radiomoderatorin in Leyte. Sie ist die erste philippinische Reporterin, die nach den Gesetzen zur Terrorismusfinanzierung angeklagt wurde, die laut der Verteidigerin Julianne Agpalo von der philippinischen Regierung zunehmend dazu genutzt werden, abweichende Meinungen zu unterdrücken.
Bi Lih Yi, Koordinatorin des Asienprogramms des Committee to Protect Journalists (CPJ), ist der Ansicht, dass die Verurteilung von Cumpio nicht nur unter Journalist:innen in den Philippinen, sondern weltweit eine abschreckende Wirkung hat. „Dies hat weitreichende Auswirkungen, da in autokratischen Ländern wie Russland und Myanmar zunehmend Terrorismusvorwürfe gegen Journalist:innen erhoben werden, um sie mit absurden und lächerlichen Anschuldigungen zu verfolgen“, fügte sie hinzu.
Yi bezeichnete das Urteil als „empörend und absurd“ und sagte, es komme einer schweren Ungerechtigkeit gleich und zeige, wie staatliche Behörden eingesetzt werden können, um Journalist:innen zum Schweigen zu bringen, die die Politik der Regierung kritisieren.
Die Entscheidung des Regionalgerichts von Tacloban stützte sich weitgehend auf die Aussagen von vier ehemaligen Mitgliedern der New People’s Army (NPA), darunter Alma Gabin, die auch in einem separaten Verfahren wegen Terrorismusfinanzierung gegen die Entwicklungshelferin Jazmin Aguisanda-Jerusalem ausgesagt hatte.
Aguisanda-Jerusalem sagte, sowohl ihr Fall als auch der des Leyte Center for Development (LCDe) seien in ähnlicher Weise allein auf der Grundlage von eidesstattlichen Erklärungen und Anschuldigungen ohne materielle oder finanzielle Beweise verhandelt worden. Sie behauptete, dass die Aussagen von zurückgekehrten Rebell:innen und militärischen Zeug:innen erfunden seien und nicht den für Anklagen wegen Terrorismusfinanzierung erforderlichen Standards entsprächen. Sie betonte auch, dass die jahrzehntelange humanitäre Arbeit des LCDe in von Konflikten betroffenen Gemeinden zu Unrecht als mit Aufständischen verbundene Aktivität dargestellt worden sei, obwohl es seit langem mit lokalen Regierungen zusammenarbeite.
Aguisanda-Jerusalem verurteilte den ihrer Meinung nach missbräuchlichen Einsatz von Anti-Terror-Gesetzen gegen zivilgesellschaftliche Gruppen und äußerte sich besorgt über die Verurteilungen von Marielle Domequil und Frenchie Mae Cumpio.
Domequil und Cumpio wurden aufgrund der Aussagen von vier mutmaßlichen Rebell:innen verurteilt. In den Aussagen wird behauptet, die beiden Frauen in Samar gesehen zu haben, wie sie 100.000 Pesos in bar entgegennahmen und weitergaben, die angeblich zur Finanzierung der New People’s Army (NPA) bestimmt waren.
Richterin Georgina Perez wies die Beweise der Angeklagten, darunter Protokolle ihrer Aktivitäten in sozialen Medien, zurück, da sie ihren genauen Aufenthaltsort nicht belegten.
Das Berufungsgericht hob das Urteil im vergangenen Jahr auf und entschied, dass es keine Beweise dafür gebe, dass die in ihrer Wohnung gefundenen 557.360 Pesos mit Terrorismus in Verbindung stünden. Zeug:innenaussagen allein wurden als unzureichend angesehen, und das Berufungsgericht betonte, dass Cumpio und Domequil rechtlich nicht als Terroristinnen eingestuft seien. Die Gelder wurden als Spenden für humanitäre Arbeit durch „Stand with Leyte and Samar” erklärt.
Richter Perez hatte sich auf Dutertes Proklamation von 2017 gestützt, in der die Kommunistische Partei der Philippinen (Communist Party of the Philippines/CPP) und ihr bewaffneter Flügel NPA als terroristische Vereinigung eingestuft wurden, obwohl die mutmaßliche Finanzierung im Jahr 2019 stattfand, also vor dem Anti-Terror-Gesetz von 2020.
Die Nationale Journalist:innengewerkschaft der Philippinen (National Union of Journalists of the Philippines/NUJP) bezeichnete das Urteil als ungerecht und wies darauf hin, dass das Berufungsgericht die Beschlagnahme des Geldes bei ihrer Verhaftung aufgehoben hatte. Die Anklagen seien erfunden und basierten auf einer zweifelhaften Verhaftung und unzuverlässigen Zeug:innen, erklärte die NUJP in einer Stellungnahme.
Menschenrechtsorganisationen sagen, dass dieser Fall ein weit verbreitetes Muster des sogenannten „Red-tagging“ widerspiegelt, bei dem Journalist:innen und Mitarbeiter:innen oder Organisationen der Zivilgesellschaft als kommunistische Sympathisant:innen oder Mitglieder der NPA bezeichnet werden, um Überwachung, Verhaftungen oder Strafverfolgung zu rechtfertigen.
Die Verurteilung hat 92 Medienorganisationen und Pressefreiheitsgruppen aus aller Welt, darunter Reporter ohne Grenzen (RSF) und eine Koalition von Menschenrechtsorganisationen, dazu veranlasst, einen Brief an Präsident Ferdinand Marcos Jr. zu schreiben, in dem sie ihn auffordern, einzugreifen und die sofortige Freilassung von Cumpio zu erreichen.
Die UN-Sonderberichterstatterin für Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung, Irene Khan, wies in einer Erklärung darauf hin, dass die Verhaftung und die strafrechtlichen Anklagen nach monatelanger „Red-tagging“-Kampagne, Überwachung, Einschüchterung und Schikanierung offenbar als Vergeltungsmaßnahme für Cumpios Arbeit als Journalist erfolgt sind.
Cumpios Anwält:innen beantragten eine Freilassung gegen Kaution und legten gegen das Gerichtsurteil vom 22. Januar 2026 Berufung ein. Sie argumentierten, dass die Freilassung gegen Kaution im Ermessen des Gerichts liege, da die Straftat nicht mit lebenslanger Haft bestraft werden könne und der Fall ausschließlich auf unbestätigten Zeuginnenaussagen beruhe. Am 16. Februar 2026 lehnte das Gericht in Tacloban den Antrag auf Freilassung gegen Kaution ab und entschied, dass es „keinen zwingenden Grund“ für die Gewährung von Kaution gebe und dass eine vorübergehende Freilassung das „Risiko der Flucht“ erhöhen könnte.
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