Mary Lawlor, ehemalige Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen zur Situation von Menschenrechtsverteidiger:innen, fordert die philippinische Regierung auf, die Ermittlungen im Mordfall des Gewerkschaftsaktivisten Jude Thaddeus Fernandez wieder aufzunehmen, und verweist dabei auf ernsthafte Bedenken hinsichtlich eines rechtswidrigen Todesfalls und der anhaltenden mangelnden Rechenschaftspflicht.
In einem am 14. Juli 2026 veröffentlichten Bericht warf Lawlor der philippinischen Nationalpolizei (Philippine National Police/PNP) im Fall Fernandez „schlampige und möglicherweise vorsätzliche Nachlässigkeit bei ihren Ermittlungsmethoden“ vor.
Fernandez, ein langjähriges Mitglied der Gewerkschaft Kilusang Mayo Uno (KMU), wurde am 29. September 2023 von Beamt:innen der Kriminalpolizei der PNP (Criminal Investigation and Detection Group/PNP-CIDG) getötet.
Die Behörden behaupteten, Fernandez habe sich während des Einsatzes gewehrt – ein Argument, das häufig in Fällen angeführt wird, in denen es um mutmaßliche außergerichtliche Tötungen geht. Untersuchungen von Menschenrechtsorganisationen und Abgeordneten des Repräsentant:innenhauses ergaben jedoch keine Beweise dafür, dass Fernandez sich der Festnahme widersetzt hatte.
Das von Lawlor in Auftrag gegebene Expert:innengutachten zur Waffe ergab keine Hinweise darauf, dass Fernandez eine Waffe abgefeuert hatte. Darüber hinaus zeigt die forensische Analyse, dass die bei Fernandez am Tatort gefundene Waffe manipuliert worden war.
Die polizeilichen Ermittlungen wurden als unzureichend und widersprüchlich kritisiert, wobei Kritiker:innen widersprüchliche Aussagen zur Identität von Fernandez sowie den unsachgemäßen Umgang mit wichtigen Beweismitteln hervorhoben.
Die Menschenrechtskommission (Commission on Human Rights/CHR) kam zu dem Schluss, dass eine Menschenrechtsverletzung vorlag; doch auch fast drei Jahre später wurde noch niemand für den Tod von Fernandez zur Rechenschaft gezogen.
Der Vorsitzende der KMU, Jerome Adonis, bezeichnete den Fall Fernandez als Teil einer umfassenderen Regierungskampagne zur kommunistischen Aufstandsbekämpfung, die sich auch gegen Aktivisten:innen und Gewerkschaftsführer:innen richte und durch die „Anti-Terror-Gesetze” der Regierung noch verschärft werde.
Internationale Beobachter:innen haben den Fall Fernandez als Beispiel für die anhaltende mangelnde Rechenschaftspflicht im Zusammenhang mit der Tötung von Menschenrechtsverteidiger:innen in den Philippinen angeführt.
Unterdessen hat der Oberste Gerichtshof kürzlich das philippinische Militär angewiesen, auf eine Petition der Familie von William Lariosa zu reagieren, nachdem untergeordnete Gerichte deren Anträge auf Schutzanordnungen abgelehnt hatten. Lariosa, ein Gewerkschaftsorganisator der KMU in Süd-Mindanao, wurde am 10. April 2024 in Quezon, Bukidnon, Opfer von Verschwindenlassen.
In einem anderen Fall hat das Anwält:innenteam der Journalistin Frenchie Mae Cumpio und der Kirchenmitarbeiterin Marielle Domequil gegen ihre Verurteilung wegen Terrorismusfinanzierung vom Januar 2026 beim Berufungsgericht in Cebu City Berufung eingelegt.
Ihre Anwältin, Julianne Agpalo, argumentierte, dass das Regionalgericht in Tacloban in seiner Entscheidung einen Fehler begangen habe, und hofft, dass das Berufungsgericht das Urteil aufheben wird.
Die Familien und Aktivist:innen bleiben zuversichtlich und fordern weiterhin die Freilassung von Cumpio und Domequil.
Foto © Raffy Lerma
