Online-Gewalt bedroht die Stimme der Frauen und die Demokratie

Die Online-Gewalt gegen Menschenrechtsverteidigerinnen, Aktivistinnen und Journalistinnen hat ein kritisches Ausmaß erreicht und droht, Frauen aus digitalen Räumen auszuschließen.

Laut einem Bericht von UN Women aus dem Jahr 2025 birgt das Fehlen wirksamer Gegenmaßnahmen zudem die Gefahr, die Demokratie und die Meinungsfreiheit zu untergraben.

Der Bericht präsentiert Ergebnisse einer Umfrage unter mehr als 640 weiblichen Befragten aus 119 Ländern.

Einundvierzig Prozent der Befragten gaben an, offline Schaden erlitten zu haben – wie körperliche Angriffe, Stalking oder verbale Belästigung –, den sie direkt auf Online-Missbrauch zurückführten.

In den Philippinen zeigen aktuelle Daten des Center for Media Freedom and Responsibility (CMFR), dass 73 Prozent der Journalistinnen Online-Gewalt erlebt haben. Nur 10 Prozent geben an, noch nie körperlicher Einschüchterung oder Missbrauch ausgesetzt gewesen zu sein. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) berichten, von Quellen erpresst worden zu sein.

Bekannte Fälle, an denen die Friedensnobelpreisträgerin Maria Ressa sowie die Journalistinnen Ellen Tordesillas, Regine Cabato, Joann Manabat und Lian Buan beteiligt waren, veranschaulichen, wie koordinierte Online-Belästigung zu rechtlicher Verfolgung und körperlicher Gewalt eskalieren kann.

Diese Fälle haben zudem die Öffentlichkeit auf die Gefahren von Online-Belästigung aufmerksam gemacht.

Unterdessen stellte die Generalsekretärin von Amnesty International, Agnès Callamard, am 21. April 2026 in Manila die jährliche Bewertung der Organisation vor. Sie warnte, dass die aktuelle Menschenrechtslage weltweit einen „direkten Angriff“ auf die Grundlagen der Menschenrechte und die auf Regeln basierende internationale Ordnung darstelle.

In ihrem Bericht 2025–2026 über die Philippinen beschrieb die Organisation ein beunruhigendes Jahr, das von weitreichenden Verhaftungen und Inhaftierungen, darunter auch von Kindern, im Anschluss an Proteste gegen Korruption bei Hochwasserschutzprojekten geprägt war.

Der Bericht erwähnte auch die fortgesetzte Anwendung von Anti-Terror-Gesetzen durch Regierungsbehörden, um Entwicklungs- und humanitäre Helfer:innen, Journalist:innen und Aktivist:innen ins Visier zu nehmen. Mindestens vier Journalist:innen wurden im Laufe des Jahres getötet, was die anhaltenden Bedrohungen für die Pressefreiheit unterstreicht.

Der Bericht machte auf die Fälle der Journalistin Frenchie Mae Cumpio und der Entwicklungshelferin Marielle Domequil aufmerksam, die beide seit mehr als fünf Jahren aufgrund von konstruierten Anklagen inhaftiert sind; Cumpio und Domequil wurden im Januar 2026 wegen Terrorismusfinanzierung verurteilt.

Die Philippinen belegen im Weltpressefreiheitsindex 2026 von Reporter ohne Grenzen (RSF) Platz 114. Der Rückgang des Sicherheitswerts von 61,57 auf 54,03 zeigt einen Übergang von einem offeneren Krieg gegen die Medien im vergangenen Jahrzehnt zu einer heimtückischeren und administrativen Form der Gewalt, die heute gegen lokale Journalist:innen ausgeübt wird.

Trotz des Regierungswechsels brandmarkt der Staat Journalist:innen weiterhin als terroristisch (sogenanntes „Red-tagging“). Diese Praxis macht Reporter:innen zur Zielscheibe, die mit erfundenen Anschuldigungen konfrontiert werden, um ihre Berichterstattung über Menschenrechtsverletzungen in marginalisierten Bevölkerungsgruppen zum Schweigen zu bringen.

Die politische Polarisierung in den Philippinen hat dazu geführt, dass Desinformation die Orte überschwemmt, an denen sich die Menschen informieren, insbesondere die sozialen Medien. Gefälschte Konten überschwemmen Social-Media-Plattformen mit falschen Informationen, die dann die Online-Debatte beeinflussen.

 

Foto: Tipping point: The chilling escalation of online violence against women in the public sphere | Publications | UN Women – Headquarters

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