Erwin „Ambo“ Delilan, ein in Negros Occidental ansässiger Journalist, wurde am 19. Januar 2026 in seinem Haus in der Stadt EB Magalona von Mitgliedern der Kriminalabteilung (Criminal Investigation and Detection Group/CIDG) der philippinischen Nationalpolizei (Philippine National Police/PNP) festgenommen. Er wurde wegen ungerechtfertigter Belästigung angeklagt, einem nach philippinischem Recht geringfügigen Vergehen.
Der Haftbefehl, der am 12. Januar 2026 von Richterin Phoebe Gargantiel-Balbin vom Regionalgericht Bacolod ausgestellt wurde, enthielt keine Angaben zu der mutmaßlichen Straftat.
Delilan, ehemaliger Präsident des Negros Press Club und derzeitiger Manager des Radiosenders Hapi FM in Bacolod City, sagte, er sei verwirrt über die Anklage und kenne weder seinen Ankläger:innen noch die Tat, derer er beschuldigt werde. Er verbrachte die Nacht in Polizeigewahrsam und wurde am nächsten Tag gegen Kaution freigelassen.
Die National Union of Journalists of the Philippines (NUJP) in der Region Negros Island und die Kapisanan ng mga Brodkaster ng Pilipinas (KBP) – Negros Occidental verurteilten die Verhaftung als Schikane, die darauf abziele, den Journalisten einzuschüchtern und die Pressefreiheit einzuschränken. Medienverbände äußerten sich besorgt über die spätabendliche Vollstreckung des Haftbefehls und das Fehlen eines ordentlichen Verfahrens und warnten, dass solche Maßnahmen eine abschreckende Wirkung auf kritische Berichterstattung hätten.
Die Verhaftung von Delilan verdeutlicht die anhaltenden Gefahren, denen Journalist:innen in den Philippinen ausgesetzt sind. Im Jahr 2025 wurden in den Philippinen drei Journalisten getötet, was laut der International Federation of Journalists (IFJ) zu einer Gesamtzahl von 128 Todesfällen von Journalist:innen weltweit beitrug. Die Philippinen belegten im Global Impunity Index 2024 des Committee to Protect Journalists (CPJ) den 9. Platz, was die hohe Zahl unaufgeklärter Morde an Journalist:innen in den letzten zehn Jahren widerspiegelt.
Auch fünfzehn Jahre nach der Ermordung des Umweltjournalisten Gerry Ortega, einem lautstarken Kritiker von Korruption und umweltschädlichen Projekten in Palawan, ist Gerechtigkeit noch immer nicht in Sicht. Er wurde 2011 erschossen. Obwohl der ehemalige Gouverneur von Palawan, Joel T. Reyes, 2025 wegen Korruption im Zusammenhang mit den von Ortega aufgedeckten Vorfällen verurteilt wurde, ist im Mordfall des Journalisten noch kein Urteil gefällt worden. Die Familie von Ortega und internationale Beobachter:innen fordern weiterhin einen fairen und unparteiischen Prozess und weisen auf die anhaltende Krise der Straflosigkeit für Verbrechen gegen Journalist:innen im Land hin.
Der unaufgeklärte Mord an dem Rundfunkmoderator Percy Lapid verdeutlicht ebenfalls die Schwierigkeiten, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Lapid war Kommentator beim Radiosender DWBL und bekannt für seine Radiosendung, in der er sich kritisch zu Fake News, dem sogenannten „Red-tagging“ (d. h. der Brandmarkung von Personen oder Organisationen als „terroristisch“) und der Korruption in der Regierung äußerte. Er wurde am 3. Oktober 2022 auf dem Heimweg in Las Piñas City erschossen.
Obwohl die Philippinen ihre Position im Weltindex für Pressefreiheit verbessert haben und von Platz 134 im Jahr 2024 auf Platz 116 im Jahr 2025 gestiegen sind, stellte die NUJP fest, dass die höhere Platzierung keine bedeutende Verbesserung der Pressefreiheit vor Ort widerspiegelt.
Foto © Raffy Lerma
